Vacuum Press for Longboards!

Longboards sind fantastische Verkehrsmittel. Schnell genug, um auf kurzen Distanzen mit Fahrrädern mitzuhalten, klein genug, um sie in der Uni unter die Bank zu schieben und leicht genug, um sie über der Schulter zu tragen.
Longboards sind aber auch teuer. Gute zumindest.
Deswegen habe ich vor 4 Jahren mein erstes Longboard selbst gebaut. Damals freilich nur aus Sperrholz, aber meine AusRasta fährt auch heute noch, und ist aus nostalgischen Gründen mein Favorit. Der Beitrag zu dem Projekt gibts übrigen hier!
Seit damals standen eine richtige Presse und ein echtes, aus Furnier geleimtes Longboard auf der Long List.
Und endlich sind wir so weit. Darf ich vorstellen? Binky!

Das Board selbst besteht aus bestem kanadischen Ahorn und kommt vom Furnierhändler Keinz. Verleimt wurde mit dem gleichen wasserdichten Holzleim wie bereits AusRasta und Alerta, die ersten beiden meiner Longboards. Never change a winning team, right?

Besonders ist allerdings die Presse. Da meine Werkstatt mit 23 Quadratmetern nicht genügend Platz für eine ausgewachsene Furnierpresse hat, habe ich mich für einen Vakuumsack entschieden.

Die Form

Aber der Reihe nach. Die Formteile für die konkave Form des Decks wurde aus XPS (auch bekannt als Polystyrol) gefräst.

Looks alright, right?
Actually, might be a bit oversized. But it works!

 

 

 

 

 

 

 

 

Das XPS lässt sich schnell und präzise mit der Fräse bearbeiten und ist ziemlich stabil, vorausgesetzt der Druck wird gleichmäßig aufgebracht.

Die Presse

Der Vakuumsack ist aus 1 Millimeter starker PVC-Folie, entlang der Längsseite gefaltet und an 2 Seiten verleimt. Als Kleber wurde hier Kontaktzement für PVC verwendet. Nachdem die erste Naht ausgehärtet war, wurden sämtlich Kanten nochmals ummantelt und verklebt, und anschließend unter Vakuum gesetzt. Dies hatte zur Folge, dass der Kleber durch sämtliche kleinen Löcher der ersten Naht gezogen wurde und der Sack nahezu perfekt dicht ist.

Die Pumpe..

Hier fängt jetzt das Improvisieren an. Die Vakuumpumpe (links im Bild) hat keine automatische Abschaltung und ist außerdem dafür bekannt, ab und an ein wenig Öl zu verlieren. Aber nur, wenn sie zu warm wird. Also nach 20 Minuten…
Die richtige Lösung wäre hier ein Vakuummeter, das eine Steckdose steuern könnte.

Die einfachste Lösung war aber eine Steckdose mit eingebautem Thermometer, das eigentlich zur Steuerung von elektrischen Heizkörpern gedacht ist. Ich habe den Sensor ausgebaut und am Pumpengehäuse montiert. Anschließend wurden die Grenzwerte für Heizbeginn auf 28 Grad und für Heizende auf 28,5 Grad festgelegt. Die Pumpe läuft also, bis sie 28,5 Grad erreicht. Hier schaltet die Pumpe ab und kühlt langsam wieder ab, bis die Temperatur unter 28 Grad fällt. Und das Spiel geht von vorne los.
So lief die Pumpe für ca. 1 Minute 15 Sekunden und kühlte danach für knapp 25 Minuten aus. So konnte die Leckage des Vakuumsacks ausgeglichen werden und das System konnte für knapp 20 Stunden unter Vakuum bleiben.

Der Rest des Projekts war dann relativ simpel.
Entformen, schleifen, grundieren, schleifen, lackieren, tapen, wieder lackieren und am Ende 3 Schichten Klarlack. Der Name kommt übrigens von Binky, dem Pferd vom personifiziertem Tod in den Scheibenwelt-Romanen von Terry Pratchett.

Bonus Round!
Kurz nachdem Binky fertig war bin ich überraschend zu einer sehr viel besseren Vakuumpumpe gekommen! Es wird also ein Update folgen, da ein paar Modifikationen am Vakuumsack und dem Prozess notwendig sind.

„Aww, der Kleine!“